Regie

POLSKA LOVE SERENADE

REGIEKOMMENtaR

ES LEBE DAS KLISCHEE

POLSKA LOVE SERENADE ist meine persönliche Liebeserklärung an Polen, aus dem ich 1983 mit meinen Eltern politisch bedingt fliehen musste.

Mich prägten seit meiner Kindheit Wilders “Eins, zwei, drei”, "Manche mögen´s heiß", Polanskis wunderbar alberner "Tanz der Vampire" und so ziemlich alles von Lubitsch und Allen.

Denn auch ich hasse die Wirklichkeit, aber sie ist leider der einzige Ort, wo man ein vernünftiges Steak bekommt.

 

So konnte POLSKA LOVE SERENADE nur eine groteske Center and Eccentrics, Fish out of Water, Charakterkomödie mit satirischen Elementen werden.

IF YOU HAVE SOMETHING IMPORTANT TO SAY, DIP IT IN A BIT OF CHOCOLATE

 

Das LOVE im Titel bezieht sich nicht auf eine Liebesgeschichte im klassischen Sinne, sondern ist viel mehr eine ironisierende Anspielung auf das deutsch-polnische (Miss-) Verständnis.

Sprachbarrieren und kulturelle Vorurteile beider Seiten bieten ein herrlich glattes Parkett für Missverständnisse. So liegt die komische Prämisse, hauptsächlich im Zusammenprall der deutschen und polnischen Kultur, der Tatsache der unerklärlichen „Wunder“ sowie der Parallelität der Story zur Weihnachtsgeschichte.

Die komische Perspektive entsteht, da Max und Anna zwei diametral entgegengesetzte Charaktere sind. Er ein schnöseliger Junganwalt und sie eine linksliberale Berliner Studentin. Absurd wird es in der Gesellschaft der Polen, dort verbindet sie der kleinste gemeinsame Nenner, ihre deutsche Nationalität. 

Wir finden also die drei klassischen Gattungen des komischen Konflikts:

Mensch versus Natur: Max und Anna gegen die polnische Pampa.

Mensch gegen Mensch: Anna und Max gegeneinander sowie die Deutschen gegen die Polen.

Mensch versus sich selbst: Max gegen seine Vorurteile, seine Spießigkeit und seinen deutschen Ordnungssinn. Anna gegen ihre chaotische Art und ihre politische „Korrektheit“.

Übertrieben sind nicht nur die beiden Hauptfiguren, sondern auch die polnischen Charaktere. Klischee, Klischee, Klischee ist hier die Devise.

Weshalb die vielen Stereotypen? - Wieso nicht? 

Stereotype verhindern nicht per se eine Identifikation des Zuschauers mit den Figuren.

Sie bieten durchaus Raum, dass der Rezipient sich in ihnen wieder finden und sogar vielleicht, über sich selbst lachen kann.

Und seien wir ehrlich. Stereotypen geben Sicherheit.

Gehen wir nicht etwa zum Italiener, weil er die beste Pasta macht, zum Franzosen wegen des Weins und schätzen wir bei den Engländern nicht etwa ihren trockenen Humor, verabscheuen aber ihre Küche?

Polen trinken Wodka, mögen fettige Wurst und gehen in die Kirche beichten - nach dem sie natürlich etwas geklaut haben.

Deutsche essen Sauerkraut, saufen Bier und haben Nazi-Opas.

Das sind alles Klischees! Na und !?

 

Man kann Klischees nicht einfach ausradieren, aber man kann über sie Lachen und ihnen auf diese Weise die Ernsthaftigkeit und somit die Macht entziehen.

Bei einem kulturellen Dialog muss man dem Zuschauer die Angst vor dem Unbekannten nehmen. Das geht hervorragend über Klischees. Positive sowie Negative. 

 

Pseudointellektuelles moralisieren über politische Korrektheit und elegisches Betroffenheitskino mögen sich vielleicht auf den ersten Blick besser in das saubere Multikulti Imagekonzept des deutschen Filmes einfügen,

bleiben für den normalen Bürger allerdings entweder gähnend langweilig, oder sie erreichen ihn nicht einmal. Elend und Tristesse hat er auch zu Hause, dafür geht er nicht ins Kino. 

 

In POLSKA LOVE SERENADE habe ich versucht humorvoll und spielerisch mit Klischees umzugehen. Sie sind dermaßen überzogen, dass sie sich selbst persiflieren und der Zuschauer kathartisch über sie lachen kann.

Ich bin der Meinung, dass wir insbesondere durch gemeinsames Lachen über uns und ungestraft auch über unsere Nachbarn, wir eben diese Vorurteile auflockern können.

Ohne Vorwürfe, aber mit einer reflektierten Herangehensweise an gesellschaftliche und geschichtliche Konflikte.

Diese Auseinandersetzung ist in einer Zeit der „Dynamischen Politik“ in Polen, aber auch allgemein für ein nachbarschaftliches Zusammenleben in der EU unabdingbar.

Anfangs war es schwierig, besonders meine in Polen lebende Verwandtschaft von dem Projekt zu überzeugen. Sie warfen mir vor ich würde Polen in einem falschen „folkloristischen“ Licht zeigen. Wieso würde ich nicht eine Geschichte erzählen, die vom modernen und schönen Polen handelt, fragte mein Cousin beim Essen. Wieso würden bei mir alle Polen Wodka trinken und Wurst und Gurken essen?!

Ich konnte nur antworten: „Weil es so ist und weil ich Polen gerade dafür liebe!...Und hast du nicht grade auch eine Gurke in der Hand?!“

 

Der Zuschauer lacht ja nicht nur über die schrägen polnischen Figuren im Film, die beiden deutschen Anna und Max bedienen ebenfalls sämtliche polnischen Vorurteile, den Deutschen gegenüber.

 

Dieser Film soll beide Länder näher bringen. Humor sowie Selbstironie, sind eine unprätentiöse und unterhaltsame Möglichkeit dafür.

 

Natürlich bietet Polen mit seiner imposanten historischen und kulturellen Vergangenheit, Stoff für intellektuell und emotional differenziertere Geschichten.  Da aber die Menschen mit den meisten Vorurteilen, noch nicht einmal Goethe von Grass unterscheiden können, ist es schwierig direkt mit Mickiewicz ins Haus zu fallen. Das geht vielleicht im zweiten Schritt. Die erste Annäherung Fremder, erfolgt immer zuerst - über Sympathie.

Mittlerweile steht meine Verwandtschaft geschlossen hinter dem Projekt und freut sich mitgewirkt zu haben.

 

Als Teil der so genannten „Brückengeneration“ habe ich natürlich auch ein persönliches Interesse daran, Deutsche und Polen einander näher zubringen. Diesen Film verstehe ich als meinen kurzweiligen Beitrag dazu.

 

In diesem Sinne “na zdrowie”! Auf einen geistreichen Austausch der Kulturen.

Monika Anna Wojtyllo